Reprint. Ursprünglich erschienen auf der Facebook-Seite von COMPUTER BILD SPIELE

© Team Meat

© Team Meat

Ich mag schwierige Spiele. Ich liebe es, wenn ich nach einer Spielsession „Super Meat Boy“ meine verkrampfte Hand vom Pad löse und auf meinen Erfolg zurückblicken kann: Die akrobatischste Sprungserie abgeliefert, das perfekte Timing gehabt, an allen Todesfallen vorbei gerannt – wieder zwei Level mit Bewertung A+ abgeschlossen. Dafür lohnt sich der vorübergehende Schmerz in der Hand auch. Ich nenne das die „Super Meat Boy“-Klaue.

Ich unterscheide da auch nicht in Genres: In „Ninja Gaiden“ manövriere ich meine Gegner pfeilschnell aus und zerfetze sie mit Katana oder Falkenklauen. Es darf kein Mitstreiter fallen, wenn ich meine Truppen in „Jagged Alliance 2“ über das Schlachtfeld scheuche – egal, wie groß die feindliche Übermacht auch sein mag. Und wie zu erwarten, ist es aktuell „Dark Souls 2“, das mich auf Trab hält.

© Bandai Namco

© Bandai Namco

Aber versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht per se darum, dass diese Spiele schwierig sind. Es geht um die Konsequenz aus dieser Tatsache: Diese Titel fordern meine volle Aufmerksamkeit, meinen Ideenreichtum, meine Cleverness und natürlich ein wenig geschulte Reflexe. Wenn „Dark Souls 2“ nicht einen gewissen Schwierigkeitsgrad hätte, müsste ich bei vielen Bosskämpfen gar nicht erst Strategien entwickeln.

Ein Beispiel: Der Pursuer ist ein relativ früher Obermotz, dessen Attacken ich mit meinem derzeitigen Schild nicht abblocken konnte. Also habe ich mich um perfekt getimete Ausweichrollen bemühen müssen. Nach einigen Tests habe ich herausgefunden, wie ich seinen Primärattacken (Sturmangriff und Dreier-Kombo) entgehe: Ersterer mit einer Rolle nach rechts an ihm vorbei und der Kombo mit einer Rolle in seinen ersten Schlag hinein(!) nach links. So komme ich am schnellsten wieder an ihn heran, um mit meinem kurzen Krummsäbel im beidhändigen Griff wieder heftig Schaden auszuteilen.

Das Spannendste an diesen Titeln ist aber nicht der analytische Teil, der auf ein Scheitern folgt, sondern die erste Berührung mit einer neuen Herausforderung: Schaffe ich in diesem „Super Meat Boy“-Level beim ersten Versuch A+? Weiche ich den gegnerischen Ninjas schnell genug aus? Schaffe ich es, den Bossgegner in „Dark Souls 2“ schon beim ersten Betreten der Arena zu lesen und ihn fertig zu machen?

© Tecmo Koei

© Tecmo Koei

In diesen Momenten prallt mein Herz heftig gegen meinen Brustkorb, während die Hände das Gamepad umschließen und die Augen jedes noch so kleine Detail auf dem Bildschirm aufsaugen. Vor Anspannung beiße ich mir auf die Lippen, meine Mimik erstarrt. Der Balanceakt zwischen Leben und Tod treibt das Adrenalin durch meine Venen wie Jagdhunde den Fuchs auf wilder Hatz. Bellen, beißen, schlitzen, schlagen, springen, spielen – und zwar mit Genuss. (Jan)

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