Reprint. Ursprünglich erschienen auf der Facebook-Seite von COMPUTER BILD SPIELE

GTA 5 Tattoo

© Rockstar

 

Nein, es geht hier nicht darum, dass ihr zu viel Kohle in der Tasche habt. Es geht mir hier um den Luxus der Verfügbarkeit. Aber erst mal alles auf Anfang.

Gestern war es so weit: Nachdem meine beiden Kollegen Christian und Linda ständig mit ihrem Tattoo-Magazin durch die Redaktion wedeln, war ich schlussendlich angefixt und auf dem Weg zum Künstler meines Vertrauens. Über Motiv und Stelle am Körper hatte ich mir schon Gedanken gemacht und bin bewaffnet mit einigen Bildern in sein Studio getreten.

Unmittelbar begrüßt mich das hochfrequente Kratzen der Tätowiernadeln im Ohr. Ich schlendere an den Tresen. Ernüchterung Nr.1: Mein Tätowierer ist schon fleißig und hat bereits den ersten Kunden. Seine Auszubildende entgegnet mir freundlich, dass ich direkt zu André nach hinten durchgehen kann. Ich schiebe mich also den Korridor entlang zu seiner „Werkstatt“.

„Ich wollte sowieso gerade Pause machen; setz dich doch einfach noch mal eben draußen hin“, sagt er zu mir. Einige Minuten später grüßt er mich mit der Fluppe im Mundwinkel. Er erzählt von seinem Wochenende auf dem Hurricane-Festival. Kurz vor der Pointe kommt der nächste Kunde. Schüchternheiten gibt’s beim Arzt, nicht im Tattoo-Studio: Er lupft sein Shirt, um ein Porträt seiner Eltern zu enthüllen. „Ja, da brauchste keinen Termin für, dass mach ich in zwei Minuten mit der Nadel eben. Ist ’ne Kleinigkeit.“ Ernüchterung Nr. 2.

Wieder sitze ich alleine auf der Bierbank an der frischen Luft. Kurz überlege ich, die Snackbox mit den Schokoriegeln zu plündern. Es heißt ja auch in der Werbung: „Wenn es mal wieder länger dauert“.

Einen unendlichen Augenblick später tritt André wieder heraus, prüft meinen Motiv-Vorschlag, zuckt aber kaum merklich mit den Augen zu seinem wartenden Opfer in der „Werkstatt“. „Ich hol‘ kurz meinen Kalender und dann machen wir Termine klar.“ Er blättert direkt zum Ende: „Zwei Termine kann ich dir für den Dezember schon mal eintragen. Alle weiteren machen wir dann telefonisch, wenn ich ein neues schlaues Buch hab!“ Ernüchterung Nr. 3.

Child of Light: Aurora

© Ubisoft

 Ich kann die Tränen kaum zurückhalten – Heuschnupfen ist ein Fluch. Auf dem Heimweg beschließe ich, dass es jetzt Zeit wird für Comfort Food: Ich werde mir endlich „Child of Light“ herunterladen. Zuhause angekommen drücke ich einen Knopf und es ist auf der Festplatte meiner Konsole. Sekunden später freue ich mich über die handgezeichneten Hintergründe und das gemächliche Erzähltempo.

Wieso kann nicht alles so einfach sein, wie die Download-Plattformen auf PC, Wii, Xbox und Playstation? Gerade zum Steam-Sale fällt das auf: Zwei Klicks und ich bin im Besitz eines niegelnagelneuen Spiels. Keine Hindernisse. Kein „Das haben wir gerade nicht vorrätig. Wie wäre es mit vorbestellen?“. Kein Suchen im überfüllten Regal zwischen 20 Kopien von „Fifa“ und „Call of Duty“.  Kein Anstehen an der Schlange. Kein Warten bis Dezember. 

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